Dok: Kreuzlingen 2009

Nach Geständnis werden die Schläger einfach freigelassen

 

Thurgauer Zeitung, 4.6.09

Die drei Schläger wieder auf freiem Fuss

Die drei Täter der Bahnhofsschlägerei in Kreuzlingen sind geständig. Sie haben ohne Grund auf die zwei Opfer eingeschlagen. Die Thurgauer Parteien begrüssen die Videofahndung.

Die Kantonspolizei Thurgau hat die drei Jugendlichen Schläger wieder freigelassen, die letzte Woche zwei Personen am Kreuzlinger Bahnhof zusammenschlagen hatten. Alle drei Täter haben gestanden, ohne Grund auf ihre Opfer eingeprügelt zu haben. Sie haben die beiden nicht gekannt und wurden von ihnen auch nicht verbal provoziert. Allerdings sind die drei Jugendlichen nach eigenen Angaben an diesem Abend alkoholisiert.

Aufgrund der Hinweise, die nach Veröffentlichung des Web-Videos bei der Polizei eingegangen sind, konnten die Behörden zwei Täter schon am Donnerstagnachmittag an ihrem Arbeitsplatz verhaften. Der Dritte stellte sich selber. Insgesamt gingen bis gestern Abend an die 70 Hinweise bei der Polizei ein. Und obwohl bekannt ist, dass die Polizei die Täter ermittelt hat, rufen laut Untersuchungsrichter Patrick Müller noch immer Personen an. Aus deren Angaben würden die Behörden mehr über die Hintergründe der Täter erfahren, sagt Müller.

Keine Kritik an der Fahndung
Es war richtig, dass auch im Internet nach den Tätern des Überfalls im Bahnhof Kreuzlingen gefahndet worden ist. So lautet der Tenor bei den im Grossen Rat vertretenen politischen Parteien. Weil es sich um einen schweren Übergriff handelte, sei es angebracht gewesen, dass die Kantonspolizei das Überwachungsvideo öffentlich zugänglich gemacht habe. Nicht einig sind sich die Parteienvertreter in der Einschätzung, ob künftige Gewalttäter durch die Tatsache abgeschreckt werden, dass die Kreuzlinger Angreifer so rasch ermittelt wurden.

Als vertretbar stuft auch der Thurgauer Datenschutzbeauftragte Ernst Frei den Einsatz des Videos ein. Angesichts der Schwere der Tat sei die Untersuchungsmethode rechtlich möglich. Frei warnt allerdings davor, Videoaufnahmen zur Fahndung bei geringfügigen Delikten zu verwenden. Regierungsrat Claudius Graf-Schelling begrüsst vor allem das schnelle Verfahren. Jugendliche Täter müssten rasch verurteilt werden, damit sie die Folgen ihrer Handlungen spüren. Nur so hätten die Strafen eine abschreckende Wirkung. Auch die Kreuzlinger reagieren offenbar positiv auf die neue Fahndungsmethode: Etliche Leute hätten gestern am Schalter im Bezirksgebäude der Polizei gratuliert, dass man mit der nötigen Härte gegen die drei brutalen Schläger vorgegangen sei, sagt Patrick Müller.

Aus kleineren Gemeinden
Die Opfer der Schlägerei erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen. Voraussichtlich werden die Täter wegen leichter Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen. In diesem Fall könnte ihnen eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe drohen. Die Angeschuldigten sind Schweizer ohne Migrationshintergrund und sind nicht wegen schwerer Straftaten vorbestraft. Alle drei leben in kleineren Thurgauer Gemeinden.