Dok: Leserbrief

Milde Richter sind mitschuldig

 

Leserbrief zum Artikel Raser: Milde Strafen verfehlen ihre Wirkung, erschienen im Tages-Anzeiger vom 22. Juni 2005

Mutlose Richter sind mitschuldig

Leserbrief von Roland Wiederkehr
Präsident Strassenopfer-Stiftung RoadCross


Ein unverbesserlicher Raser muss also 9 Monate ins Gefängnis (und 6 Monate dazu aus früherer Verurteilung). Staatsanwalt Jürg Boll hatte 21 Monate verlangt, mit einem solch „drakonischen Strafantrag“ habe der Staatsanwalt aber „den Bogen weit überspannt“, findet Richter Bussmann. Vor wenigen Jahren noch wäre der Täter mit einer Busse oder mit 30 bis 45 Tagen bedingt davongekommen, und darum seien die insgesamt 15 Monate „eine empfindliche Freiheitsstrafe“. Und so etwas als Richter auszusprechen, erfordere Mut.

Aus Sicht der Strassenopfer-Stiftung RoadCross ist genau das das Problem: Dass ein Richter findet, er sei mutig, wenn er einen unverbesserlichen Verkehrstäter als das behandelt, was er ist: ein Krimineller. Denn würde er einen ‘unverbesserlichen Schützen’ zu beurteilen haben, der wie wild in der Gegend herumschiesst - der Täter fände keine Gnade: man würde ihn ‘versorgen’. Und die Waffe sofort einziehen.
Anders offenbar immer noch im Verkehr: Ein Täter, der wie wild mit seinem Auto auf öffentlichen Strassen herumschiesst, wird mit Samthandschuhen angefasst. Und man diskutiert des langen und breiten, ob man ihm die Tatwaffe Auto wegnehmen darf.

Wer mit über 180 km/h Auto-Wettrennen veranstaltet, nimmt in Kauf, dass er Leib und Leben anderer Strassenbenützer gefährdet - das aber wird nach neusten Rechtssprechungen nicht mehr als grobfahrlässig, sondern als eventualvorsätzlich eingestuft. Und das ergibt ein ganz anderes Strafmass. 5 bis 7 Jahre Zuchthaus. Wir von RoadCross sind überzeugt: Wenn sich dieser ‘Tarif’ herumspricht, trägt er zur Lösung des Raserproblems bei. Milde Strafen jedoch sind geradezu eine Aufmunterung, so weiterzufahren wie bisher. Wobei wir lange Haftstrafen auch nicht das Gelbe vom Ei finden: Besser wäre es, die Täter müssten einige Jahre lang in Rehabilitationskliniken die Verletzten pflegen oder die Böden putzen.

Wir wünschen den Richtern also nicht nur mehr Mut. Sondern auch mehr Fantasie.

Roland Wiederkehr
Präsident Strassenopfer-Stiftung RoadCross, Aesch