Dok: München 2009

Warum wusste die Schule nichts davon?

 

nzz-online/sda 3.juli 2009

Schläger von München sind vorbestraft

Die drei 16-jährigen Jugendlichen aus Küsnacht (ZH), die in München wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft sitzen, sind in der Schweiz bereits vorbestraft. Sie wurden verurteilt wegen Diebstahl, Körperverletzung, Raubversuch.

Einer der Angeschuldigten wurde wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt, ein zweiter wegen einfacher Körperverletzung; das Opfer hatte damals eine gebrochene Nase. Der dritte Jugendliche ist wegen Raubversuchs und Angriffs mit Faustschlag und Tritten vorbestraft, wie es in einem Communiqué der Jugendstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom Freitag heisst.

Alle Strafuntersuchungen, durchgeführt durch die Jugendanwaltschaft See/Oberland, seien abgeschlossen, schreibt die Jugendstaatsanwaltschaft weiter. Die Jugendlichen wurden mit Sozialdienst zwischen neun Tagen und vier Wochen bestraft. Für einen der drei wurde im September 2008 eine deliktorientierte Therapie angeordnet.

Ein «auffälliger» Schüler
Die Schulpflege von Küsnacht hat bestätigt, dass einer der drei mutmasslichen Schläger von München bereits früher mit der Polizei zu tun hatte. Weswegen, mochte Schulpflege-Sprecher Bruno Bouvard nach einer Krisensitzung vom Freitag jedoch nicht sagen. Es sei jedenfalls nicht um ein Gewaltdelikt gegangen.

Da der Vorfall vor dem Eintritt des Jugendlichen ins 10. Schuljahr gelegenen sei, habe die Schule bis zum Freitag davon nichts gewusst. Weiter habe sich herausgestellt, dass dieser Jugendliche bereits während des Unterrichts auffällig gewesen sei und ein schwieriges Verhalten an den Tag gelegt habe, sagte Bouvard. Sein Klassenlehrer habe ihn aber stets im Griff gehabt. Gemäss letzten Informationen habe der 16-Jährige vor dem Wahlschuljahr bereits an einer anderen Schule Probleme gehabt, so dass er diese vorzeitig habe verlassen müssen.

Über mögliche Straftaten der anderen beiden mutmasslichen Täter lagen der Schulpflege am Freitagvormittag noch keine Informationen vor. Die beiden seien in der Schule immer unauffällig gewesen.

Vater eines Täters entschuldigt sich beim Opfer
Die Gewalttat der Zürcher Schüler in München ist auch für deren Eltern unerklärlich. Das Ganze sei ein Alptraum, sagte der Vater eines Angeschuldigten. Dass sein Sohn einen Menschen spitalreif geprügelt habe, könne er fast nicht glauben.

Er habe keine Erklärung für das, was in der Nacht auf Mittwoch geschehen sei, sagte er gegenüber dem Privatsender «Radio1». «Man hat das Gefühl, man macht alles richtig. Und dann kommt so ein Hammer.»

Das Opfer tue ihm unsagbar leid, sagte er weiter. «Ich möchte mich in aller Form entschuldigen und irgendwie helfen, falls das möglich ist.» Er habe mit seinem Sohn nicht mehr gesprochen, seit dieser in U-Haft sei. Die Mutter habe ein kurzes Gespräch mit ihm führen dürfen, in dem er gesagt habe, dass es ihm sehr leid tue. «Er hat sich entschuldigt».

Dass sein Sohn gewalttätig sein könnte, hätte er nie gedacht. Zweimal sei er in eine Schlägerei verwickelt gewesen, einmal habe er auch ein blaues Auge davongetragen. Im ersten Fall habe der Sohn erzählt, er sei zusammengeschlagen worden, beim zweiten Vorfall habe er einen Streit schlichten wollen. «Im Nachhinein betrachtet stimmte das wohl nicht.»
Dass sein Sohn viel Alkohol trinke, sei ihm nicht bekannt. Nur hin und wieder an einem Fest oder an einem Grümpelturnier «wie andere auch». Auch von Vorstrafen wisse er nichts, sagte der Vater weiter. Sein Sohn habe mit 12 Jahren einmal Kaugummi gestohlen, aber das sei wohl kaum gemeint.

Der 16-jährige, der seit Mittwoch mit seinen Kollegen in München in Untersuchungshaft sitzt, wohnt mit seinen Eltern und zwei Schwestern zusammen. Der Vater führt einen Handwerksbetrieb.